DER VAMV

allein erziehend - nicht ohne!

Familien mit Umgangsproblemen nicht allein lassen – Kommentar zum Film "Weil Du mir gehörst"

Will ein Kind einen getrennt lebenden Elternteil nicht mehr sehen, ist das ein schmerzlicher Verlust und eine hohe Belastung für diesen Elternteil. Die Schuld daran einseitig beim anderen Elternteil zu sehen – Stichwort Entfremdung – greift allerdings viel zu kurz. Denn lehnt ein Kind einen Elternteil ab, kann dies vielfältige und unterschiedliche Gründe haben. Geht es nur um die Frage, wer Schuld hat, und nicht um die Frage, was die Ursachen für solch eine Beziehungsstörung sind, droht das Kind aus dem Blick zu geraten und mit seiner Belastung allein gelassen zu werden.

Der aktuelle ARD-Film "Weil Du mir gehörst" leistet leider keinen Beitrag zu einer differenzierten Sicht auf eine kindliche Ablehnung eines Elternteils. Im Gegenteil, der Film hat eine ausgesprochen einseitige Darstellung gewählt: Eine Mutter manipuliert gezielt ihr Kind, so dass es den Vater nicht mehr besuchen will, weil sie ihren Ex-Partner bestrafen will. Der Film beruht auf dem umstrittenen PAS-Syndrom (Parental Alienation Syndrome) nach Richard Gardner. Dieses vermeintliche Syndrom erklärt die Umgangsverweigerung eines Kindes einseitig durch eine gezielte Manipulation des alleinerziehenden Elternteils. Es ist in der Fachwelt äußert umstritten und stößt auf große inhaltliche und methodische Zweifel, die wissenschaftliche Grundlage ist weiter offen. Trotz diverser Anläufe wurde PAS nicht in die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten (ICD) aufgenommen, auch die 2022 in Kraft tretende ICD 11 der WHO enthält das PAS nicht als Diagnose.

In Deutschland hat PAS aber trotzdem Eingang in die Rechtsprechung gefunden. Dabei ist verwunderlich, dass Gardner als Kinder- und Jugendpsychiater in erster Linie auf juristische Interventionen (begleiteter Umgang, Aufenthaltswechsel des Kindes, Entzug des Sorgerechts, Zwangshaft) statt auf psychologische Unterstützung setzt. Eine Eltern-Kind-Entfremdung kann in Streit- und Belastungssituationen entstehen. Will ein Kind einen Elternteil nicht mehr sehen,  kann dies jedoch vielfältige Gründe haben, die im Verhalten beider Eltern und auch der Kinder liegen können. Beim PAS-Ansatz fällt unter den Tisch, welche emotionalen Belastungen des Kindes der Umgangsverweigerung zu Grunde liegen können (Ärger, Furcht, Verletzungen, Loyalitätskonflikte etc.). Nicht im Blick ist zudem, dass auch beim abgelehnten Elternteil Ursachen liegen können, wie Gewalterfahrungen des Kindes, Vernachlässigung, emotionale Kälte oder miterlebte elterliche Gewalt (vgl. etwa Salzgeber in Forum Familienrecht 6/2003).

Fazit: Statt einseitiger Schuldzuweisungen ist ein familiensystemischer Blick auf Ursachen von Beziehungsstörungen vonnöten, um Kinder mit einer Belastung nicht allein zu lassen, um allen Beteiligten ggf. die notwendigen psychologischen bzw. psycho-sozialen Angebote machen zu können – und um Beziehungsabbrüche gerade zu vermeiden.

Was ist neu 2020?

Ab Januar 2020 gibt es zahlreihe Änderungen: Kindesunterhalt, Unterhaltsvorschuss und Regelsätze steigen. Weitere Informationen zum reformierten Kinderzuschlag und Wohngeld finden Sie hier.

Weitere Informationen zu unseren Publikationen finden Sie hier.

Starke-Familien-Gesetz: Verbesserungen für Alleinerziehende

Mit dem "Starke-Familien-Gesetz" wurde der Kinderzuschlag für Alleinerziehende und Familien mit mittleren Einkommen geöffnet. Seit dem 1. Januar 2020 sind alle Verbesserungen in Kraft. Falls der Antrag bisher abgelehnt wurde, kann es sich jetzt für Alleinerziehende lohnen, ihn neu zu stellen! Dabei unterstützt der VAMV Alleinerziehende und Fachkräfte, die sie beraten, mit aktuellen Informationsmaterialien:

Flyer "Starke-Familien-Gesetz. Verbesserungen für Alleinerziehende"

Broschüre "Informationen für Alleinerziehende: Wenn das Einkommen nicht reicht – Ihre Ansprüche. Kinderzuschlag, Wohngeld & Co"

Broschüre "Handreichung für die Beratung: Leistungen für Alleinerziehende mit kleinen Einkommen. Kinderzuschlag, Wohngeld & Co"

Familien mit kleinen Einkommen greift der Staat mit verschiedenen Leistungen unter die Arme. Der Kinderzuschlag von bis zu 185 Euro pro Kind ist für Eltern gedacht, die mit ihrem Einkommen zwar für sich selbst, aber nicht (ausreichend) für ihre Kinder sorgen können. Parallel zum Kinderzuschlag können Familien Wohngeld sowie Leistungen zur Bildung und Teilhabe für ihre Kinder erhalten. Liegt das Familieneinkommen unterhalb des Existenzminimums, kommen stattdessen ergänzende SGB II-Leistungen in Betracht.

Den Flyer und die Broschüren als Printausgaben können Sie beim Publikationsversand der Bundesregierung bestellen.
Weitere Informationen zu Downloads und Bestellmöglichkeiten von Einzelexemplaren finden Sie hier.

Protestaktion "Höheres Kindergeld auch bei Unterhaltsvorschuss!"

Danke an die Vielen, die ihrem Unmut an dem Nullsummenspiel "10 Euro mehr Kindergeld, gleichzeitig 10 Euro weniger Unterhaltsvorschuss" durch eine Empörungsmail an die Bundesfamilienministerin Luft gemacht haben! Unsere Protestaktion hat viel Beachtung gefunden, jede einzelne Mail hat dazu beigetragen!

Es gibt Neues: Die Landesfamilien*ministerinnen haben sich für einen höheren Unterhaltsvorschuss ausgesprochen und fordern, das Kindergeld künftig nur noch zur Hälfte auf den Unterhaltsvorschuss anzurechnen! Als VAMV begrüßen wir sehr, dass sich mit der Jugend- und Familienminister*innenkonferenz (JFMK) ein gewichtiger politischer Akteur hinter unsere langjährige Forderung gestellt hat, Kindergeld und Unterhaltsvorschuss besser abzustimmen und im Ergebnis diese Ersatzleistung für nicht gezahlten Kindesunterhalt zu erhöhen.

Hinter der Initiative der Fach*ministerinnen steht Bayerns Familienministerin Kerstin Schreyer, die am 29. November in einer Pressemitteilung über einen Beschluss der JFMK für eine bessere finanzielle Entlastung von Einelternfamilien informiert hat.

Mehr dazu in unserer Pressemitteilung.

Die Petition  "Ungerechtigkeit stoppen: Trennungskinder gehen bei Kindergelderhöhung leer aus" läuft weiter. Gebt der Forderung, "Höheres Kindergeld auch bei Unterhaltsvorschuss" Rückenwind, indem Ihr die Petition unterzeichnet und weiter verbreitet:

Petition mit zeichnen

Reform des Sorge- Umgangs- und Unterhalts -wann geht die Debatte los?

Berlin, 7. November 2019. Die große Kindschaftsrechtsreform 1998, Unterhaltsrechtsreform 2008, Sorgerechtsreform 2013 - das Kindschaftsrecht ist immer wieder Gegenstand von Reformen. Nun steht wieder eine grundlegende Reform auf der Agenda. Für 2020 ist ein Entwurf mit Änderungen im Sorge-, Umgangs-und Unterhaltsrecht angekündigt. Wohin die Reise geht, steht noch nicht fest.

Die bereits erarbeiteten Ergebnisse einer AG des Justizministeriums zum Unterhaltsrecht warten in einer Schublade darauf, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken. Die vom Familienministerium in Auftrag gegebene Studie zu "Umgang und Kindeswohl" liegt seit dem Frühjahr dem Ministerium vor, Ergebnisse wurden allerdings ebenfalls noch nicht veröffentlicht. Wesentliche Grundlagen für eine Reformdebatte sind damit noch nicht öffentlich zugänglich, ein erster "Happen" wurde nun aber in die Öffentlichkeit gegeben: Das Thesenpapier einer Expert*innen-AG ist öffentlich, die grundlegenden Reformbedarf im Sorge- und Umgangsrecht sieht. Vernünftig klingt, dass die Expert*innen kein gesetzliches Leitbild für ein Betreuungsmodell vorschlagen, sondern individuelle Lösungen hochhalten.

Anlass zur Sorge gibt der Vorschlag, das gerichtliche Anordnen eines Wechselmodells im Gesetz zu verankern. Denn dies wird bei strittigen Eltern in der Regel nicht dem Kindeswohl dienen. Auch das automatische gemeinsame Sorgerecht unverheirateter Eltern wird nun wieder trotz des 2013 mühsam erarbeiteten Kompromisses (gemeinsames Sorgerecht auf Antrag) wieder auf die Agenda gesetzt. Gleichzeitig soll das Sorgerecht konzeptionell ganz anders gefasst werden als bislang.

Das Justizministerium wird nun im ersten Schritt die Thesen prüfen und bewerten. Der VAMV wird sich kritisch mit den Thesen befassen und sich in die anstehenden Debatten einbringen. Wichtig ist, dass eine Reform Rechte und Pflichten getrennter Eltern in ein ausgewogenes Verhältnis bringt, das Kindeswohl statt der Elternrechte in den Mittelpunkt stellt und beim Kindesunterhalt dafür sorgt, dass ein Kind in den Haushalten beider Eltern materiell gut versorgt werden kann.

Stellungnahmen

Positionspapier: Eckpunkte für eine Reform des Kindesunterhaltsrechts

Berlin, 25. September 2019. Das Positionspapier steht unten als Download für Sie bereit.mehr

Pressemitteilungen

Mitziehen: Landesfamilienminister*innen wollen Unterhaltsvorschuss erhöhen!

Berlin, 5. Dezember 2019. Die Fachminister*innen der Länder haben sich für einen höheren Unterhaltsvorschuss ausgesprochen. Hinter der Initiative steht Bayerns Familienministerin Kerstin Schreyer,...mehr