Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V.

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Anhörung im Bundestag zu Alleinerziehenden: Unterhaltsvorschuss endlich ausbauen!

Berlin, 15. März 2016. Um die Situation von Allererziehenden und ihren Kindern zu verbessern, braucht es zahlreiche Reformen, zeigte die gestrige Anhörung zur Situation Alleinerziehender im Familienausschuss des Bundestages. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) forderte einen Systemwechsel hin zu einer Kindergrundsicherung, damit alle Kinder jenseits von Armut aufwachsen können, unabhängig von der Familienform und vom Einkommen ihrer Eltern.

Einig waren sich die Sachverständigen, dass ein Ausbau des Unterhalts-vorschuss notwendig ist, um die Situation von Alleinerziehenden und ihrer Kinder zu verbessern: Diese Ersatzleistung für nicht gezahlten Unterhalt ist derzeit auf 72 Monate begrenzt, diese Grenze solle gestrichen werden. Die Altersgrenze müsse von 12 auf 18 angehoben werden. Das Kindergeld sei zukünftig nur noch hälftig auf den Unterhaltsvorschuss anzurechnen. Hintergrund: 75 Prozent der Alleinerziehenden erhält gar keinen oder weniger als den ihren Kindern zustehenden Kindesunterhalt. Auch der weitere quantitative und qualitative Ausbau der ganztägigen Kinderbetreuung, auch an Randzeiten und für Schulkinder, sei ein zentraler Weg, gerade Alleinerziehende zu unterstützen.

"Alleinerziehende und ihre Kinder haben mit über 40 Prozent das höchste Armutsrisiko aller Familienformen, das ist Ausdruck ihrer immer noch anhaltenden gesellschaftlichen Benachteiligung", kritisierte Miriam Hoheisel, Bundesgeschäftsführerin des VAMV. Eine zentrale Ursache liege darin, dass Leistungen für Familien auf verheiratete Ehepaare zugeschnitten sind, während Alleinerziehende und ihre Kinder aufgrund von Anrechnungen und unbeabsichtigten Wechselwirkungen systematisch durchs Raster fallen. "Der vom Ziel her armutsvermeidende Kinderzuschlag kann ausgerechnet bei Alleinerziehenden nicht seine volle Wirkung entfalten. Hier besteht dringender Reformbedarf bei der Anrechnung von Unterhalt, Unterhaltsvorschuss und Waisenrente", forderte Hoheisel.

Der VAMV kritisierte geplante Verschlechterungen für die Kinder von Allein-erziehenden bei der aktuellen Hartz-IV-Reform: Es soll immer das Sozialgeld fürs Kind bei Alleinerziehenden gestrichen werden für die Tage, an denen es Umgang mit dem Vater hat. Und zwar sogar dann, wenn dieser gar nicht in Hartz IV ist. "Es fällt dabei unter den Tisch, dass es teurer ist, wenn ein Kind sich in zwei Haushalten aufhält. Statt Mangelverwaltung zwischen den Eltern fordern wir einen Umgangsmehrbedarf für Kinder als eine Antwort gegen Kinderarmut!", unterstrich Miriam Hoheisel.

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Der Paritätische Gesamtverband hat am 23.2.16 seinen aktuellen Armutsbericht 2016 vorgestellt. Der Armutsbericht ist unter Mitherausgeberschaft des VAMV und weiterer Verbände erschienen. Die Herausgeber kritisieren die anhaltend hohe Armut und fordern von der Bundesregierung einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel.

Der Armutsbericht enthält neben Daten auch Berichte, Analysen und Kommentare zu besonders armutsgefährdeten Gruppen, so auch zu Alleinerziehenden. Die Hälfte der Kinder in Armut wächst bei Alleinerziehenden auf, u.a. da sie systematisch durchs Raster der Familien- und Sozialpolitik fallen. Das muss sich ändern!

Links:
Pressemitteilung des Paritätischen zur Veröffentlichung des Armutsberichts
Statement VAMV zur Veröffentlichung des Armutsberichts
Armutsbericht
Artikel "Armut Alleinerziehender"


Was ist neu 2016?

Zum neuen Jahr gibt es Änderungen für Alleinerziehende und ihre Kinder: Kindergeld, Unterhaltsvorschuss steigen und auch der Kindesunterhalt nach Düsseldorfer Tabelle ist ab Januar 2016 neu bemessen. Die in Kraft tretende Wohngeldreform ermöglicht mehr Alleinerziehenden als bisher, einen Zuschuss für Miete beanspruchen zu können. In dem Artikel "Was ist neu 2016?" werden diese und weitere Neuerungen erläutert.


Ohne Konsens kein Wechselmodell

Das Wechselmodell wird als Lebensform für Kinder von getrennt lebenden Eltern zunehmend diskutiert, zugleich wird die praktische Bedeutung dieses Modells in der gegenwärtigen Diskussion häufig überschätzt.

Das war Anlass für den VAMV, das Wechselmodell als Thema aufzugreifen: Der Bundesverband hat ein Informationspapier für die Beratung erarbeitet. Das Ziel ist es, den beratenden Personen differenzierte und sachliche Informationen an die Hand zu geben und die Vor- und Nachteile des Wechselmodells zu beleuchten. Bei der Entscheidung über ein Betreuungsmodell sollten die Bedürfnisse des Kindes im Vordergrund stehen, denn jedes Kind ist anders. Aus Sicht des VAMV wäre es der falsche Weg, dem Wechselmodell einen Vorrang vor anderen Betreuungsmodellen einzuräumen und es zum Regelfall zu machen. Der Konsens der Eltern ist Grundvorsetzung für ein Gelingen.

Informationspapier zum Wechselmodell für die Beratung

Eltern sollten sich über den Unterhalt im Wechselmodell verständigen, denn im Wechselmodell sind beide Elternteile anteilig nach ihrem jeweiligen Einkommen barunterhaltspflichtig für das Kind. Zunehmend wird auch die Unterhaltsproblematik bei erweitertem Umgang thematisiert, nachdem der BGH einige Entscheidungen dazu veröffentlicht hat. Der VAMV fordert anlässlich der zu erwartenden politischen Diskussionen, die Düsseldorfer Tabelle auf den Prüfstand zu stellen, eine gleiche Bezugsgröße für Selbstbehalte und Kindesunterhalt festzulegen, die derzeitige Unterdeckung des Kindesunterhalts zu beenden, empirische Daten zu Wechselmehrkosten zu erheben und faire Rechenmodelle für die Verteilung von Unterhaltslasten insbesondere bei erweitertem Umgang zu entwickeln, die auch die Gestaltung des Familienlebens vor der Trennung im Blick haben.

Positionspapier zum Thema Unterhalt im Wechselmodell und bei erweitertem Umgang